Anno 1913 - Heimatbund im Rückblick
Die Rathenower Zeitung zählte zu Ende des 19. und bis weit in das 20. Jahrhundert zu den wichtigsten Informationsquellen in der Region. Foto: Martin SommerfeldBei Ihren Recherchen für den Heimatkalender 2026 stießen die Vereinsmitglieder Wolfram Bleis und Martin Sommerfeld im Kreisarchiv in Friesack auf einen interessanten Zeitungsartikel aus dem Jahre 1914. In diesem berichtet der erst 1909 gegründete Rathenower Heimatbund über seine vielfältigen Aktivitäten im Jahre 1913.
Quelle: Kreisarchiv Friesack /
Autor: Sommerfeld/Bleis/Wodtke
Ein Ausschnitt aus der Rathenower Zeitung vom 08. Januar 1914
Mitteilung des Havelländer Heimatvereins.
In der Generalversammlung am Mittwoch, dem 7. Januar d.J., erstattete der 2. Schriftführer, Herr Lehrer Anders, folgenden Jahresbericht über die Tätigkeit des Vereins im Jahr 1913:
Am 31. Januar 1913 hielt Herr Zeisberg (Wilhelminenhof) einen interessanten Lichtbildervortrag über „Die Kunst im alten Holzbau. Im Anschluß daran fand die Generalversammlung statt, in welcher statutengemäß die Vorstandswahl vorgenommen wurde.
Der 1. Vorsitzende, Herr Gymnasialdirektor Prof. Guthjahr, der 1. Schriftführer, Herr Lehrer und Archivar Specht, sowie die Herren Schulze, Bartels, Picht, Zeisberg und Klewitz wurden wiedergewählt. Der Verein zählte 125 Mitglieder und hatte einen Kassenbestand von 496,13 Mk., von welcher Summe 50 Mk. dem Bismarck-Denkmalfonds zugeführt werden sollen. Herr Rentier Schmidt, der sich sehr um die Verschönerung unserer Vaterstadt verdient gemacht hat, wurde zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt. In der Februar-Sitzung, am 24. d. M., entwarf der 2. Schriftführer ein Bild des Freiheitsdichters Theodor Körner und seiner Beziehungen zu unserer Heimat.
Am 29. März sprach Herr Archivar Specht in Bamme an der Hand einer großen Zahl von Lichtbildern über „Das Havelland und seine Schönheit“, und der stellv. Schriftführer schilderte „Die Zeit der Befreiungskriege vor 100 Jahren“.
Am Himmelfahrtstag, dem 1. Mai, unternahm der Verein einen Ausflug über Steckelsdorf, Großbuckow, Kleinbuckow nach Böhne.
Unter zahlreicher Beteiligung wurde am 21. Juni auf dem Markgrafenberg das Waldemarfest gefeiert, wozu Herr Schriftsteller Kotzde die Festrede übernommen hatte. Ein Maibaum und andere Kinderbelustigungen hielten die Teilnehmer bis zur späten Abendstunde in der Waldschenke zusammen.
Am 24. August fand teils zu Fuß, teils mit Rad und Eisenbahn ein Ausflug nach der alten Bischofsstadt Brandenburg statt. Unter der Führung des Vorsitzenden des Brandenburgischen Historischen Vereins, des Herrn Professors Tchirsch, wurden die Baudenkmäler auf der Dominsel und der Marienberg besichtigt. - Im Winterhalbjahr wurden die Vorträge wieder aufgenommen.
Am 11. November 1913 sprach der 2. Schriftführer über das Thema „Auch die Pflege des Gesanges ist ein Mittel zur Förderung der Wohlfahrt unseres Volkes und der Liebe zur Heimat“, und die Rathenower Wandervögel erfreuten die zahlreich erschienenen Gäste durch den Vortrag alter Volksweisen.
Am 10. Dezember veranstaltete Herr Kotzde einen sehr gut besuchten Märchenabend.
Am 16. Dezember endlich sprachen Herr Oberförster Schumrick und Herr Förster Ritzke über „Die in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen über Vogelschutzbestrebungen in der hiesigen Stadtforst“.
So hat der Verein auch im vergangenen Jahr in 1 Generalversammlung, 6 ordentlichen Monatsversammlungen, 1 Wanderversammlung, 7 Vorstandssitzungen und 3 Ausflügen eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet und durch teilweise regen Besuch auch dankbare Anerkennung gefunden. Die Teilnahme an den Ausflügen ließ allerdings noch viel zu wünschen übrig, doch konnte mit Freuden wahrgenommen werden, daß die heranwachsende Jugend sich immer mehr für dieselben interessierte.
Der Verein zählte beim Schluß des Geschäftsjahres 107 Mitglieder und hatte nach dem Kassenbericht, den Herr Zahnarzt Krause erstattete, eine Einnahme von 942,13 Mk., der eine Ausgabe von 472,58 Mk. gegenüber stand, so daß ein Bestand von 469,55 Mk. mit in das neue Jahr hinübergenommen werden konnte. Der Voranschlag für 1914 bilanziert in Ausgabe und Einnahme mit 564 Mk.